Cheng Stil
Bagua zhang 

- Nikolaus KLinger -

Baguazhang 

 
Wir orientieren uns am Baguazhang im Cheng-Stil, wie er ursprünglich praktiziert wurde. Dieser Stil ist stark vom Shuaijiao, dem chinesischen Ringen, geprägt und zeichnet sich durch runde, kontinuierliche Bewegungen sowie eine ausgeprägte Nähe zu Würfen, Gleichgewichtsbrüchen und körpernaher Anwendung aus.

Im Zentrum der Praxis stehen:

  • Kreisgehen als Grundlage der inneren Arbeit, zugleich als Meditation in Bewegung und als Basis für kampfpraktische Anwendung
  • Spiralige Kräfte und Körpermechanik, aus denen Würfe, Hebel und Richtungswechsel ohne äußere Härte entstehen
  • Nei Gong (innere Arbeit) zur Entwicklung von Struktur, Stabilität, Gesundheit und einem vertieften Körpergefühl

Baguazhang ist eine chinesische innere Kampfkunst, die Bewegung, Struktur und Wahrnehmung miteinander verbindet. Ihre spiralige Organisation schult nicht nur die Kampffähigkeit, sondern auch die Fähigkeit, sich effizient, verbunden und anpassungsfähig zu bewegen.

Baguazhang ist damit mehr als eine Kampfkunst. Es ist ein Weg, den eigenen Körper besser zu verstehen, innere Ordnung zu entwickeln und Bewegung als lebendigen, fortwährenden Prozess zu erfahren.


Eine Übersicht zur Geschichte und den Trainingsmethoden findest du unterhalb.

Geschichtliches

Ursprung und Entwicklung des Baguazhang

Die Ursprünge des Baguazhang lassen sich historisch nicht eindeutig rekonstruieren. Gesichert ist jedoch sein plötzliches Auftreten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Peking, eng verbunden mit der Person Dong Haichuan (董海川, ca. 1813–1882). Um etwa 1860 wurde Baguazhang erstmals öffentlich wahrnehmbar und entwickelte sich rasch zu einer eigenständigen inneren Kampfkunst.

Peking, die damalige Kaiserstadt, wurde in dieser Zeit zu einem wichtigen Zentrum für Kampfkunstpraktizierende aus ganz China. Meister und Schüler verschiedenster Stile kamen hier zusammen, was einen intensiven Austausch von Methoden, Prinzipien und Trainingsansätzen begünstigte. In diesem Umfeld zeigte sich, dass viele grundlegende Konzepte von Taijiquan, Xingyiquan und Baguazhang eng miteinander verwandt waren.

Aus diesem Verständnis heraus etablierte sich der Begriff Neijiaquan (内家拳) – die „inneren Kampfkünste“. Er beschreibt weniger einen einheitlichen Stil als vielmehr eine gemeinsame Ausrichtung: Arbeit mit Struktur, innerer Verbindung, Ganzkörperkraft und bewusster Wahrnehmung. Die bis heute bekannte Zusammengehörigkeit von Taiji, Xingyi und Bagua geht auf diese Zeit zurück. Entsprechend praktizierten und praktizieren viele Baguazhang-Übende parallel Xingyiquan oder entwickelten individuelle Kombinationsansätze.

Im Baguazhang unterscheidet man heute verschiedene Stilrichtungen, die auf die Hauptschüler Dong Haichuans zurückgehen, darunter Yin Fu, Cheng Tinghua, Liang Zhenpu und Fu Zhensong. Diese Linien unterscheiden sich weniger in den grundlegenden Prinzipien als vielmehr in ihrer Betonung, Methodik und äußeren Erscheinung.

Eine Besonderheit von Dong Haichuans Unterricht war, dass er ausschließlich bereits erfahrene Kampfkünstler als Schüler annahm. Er vermittelte ihnen keinen völlig neuen Stil, sondern integrierte die Prinzipien des Baguazhang in die jeweils vorhandene Kampfkunstpraxis. Dadurch entstanden unterschiedliche Ausprägungen des Systems:
 Der Cheng-Stil spiegelt beispielsweise deutlich die Schritttechnik, Rundheit und Wurfbereitschaft des Shuaijiao wider, während der Yin-Stil stärker die direkte, kraftvolle und schlagorientierte Ausrichtung widerspiegelt, die Yin Fu aus dem Shaolin-Umfeld mitbrachte.


Kreisgehen

Das Fundament des Baguazhang ist das Kreisgehen. Es dient nicht nur der Fortbewegung, sondern schult die innere Organisation des Körpers in kontinuierlicher Bewegung. Durch das Gehen auf dem Kreis werden Struktur, Ausrichtung und Spiralverbindungen aufgebaut und unter wechselnden Bedingungen stabilisiert.

Im Cheng-Stil wird das Kreisgehen in klaren, statischen Haltungen geübt, die schrittweise in Bewegung gesetzt werden. Die Beine tragen die Struktur, die Taille führt die Rotation, und die Arme bleiben mit dem Rumpf verbunden. Auf diese Weise entsteht eine selbsttragende Körperorganisation, die weder auf muskuläre Spannung noch auf äußere Kraft angewiesen ist.

Das Kreisgehen bildet damit die Grundlage für alle weiteren Inhalte des Baguazhang: innere Arbeit, Anwendbarkeit und Formen. Was hier aufgebaut wird, findet später in Bewegung, Technik und Anwendung seinen Ausdruck.

Formentraining

Palm Changes (Ba Da Zhang)
Die gelernte Struktur und "Power" wird nun in Bewegung gesetzt und zu kraftvollen fliessenden Formen bewegt. Jede der Formen werden in beide Richtungen geübt und sind vergleichsweise kompakt - aber detailiert in der Ausführung.

Swimming Dragon Form (YouShen BaGua LianHuang Zhang) 
ist eine fortgeschrittene Langform, welche Variationen aus den Palm Changes, wie auch neue Bewegungen mit schnellen Richtungswechsel und Spiralen vermischt.

Gezieltes Freestyle Training
Je freier und spontaner wir die Prinzipien des Baguazhang in unberechenbaren Zusammenstellungen verknüpfen können, desto mehr transformieren wir uns selbsr und kommen dem Ziel des Baguazhang näher.

kampfanwendung


Speziell der Cheng Stil hat seine Basis im chinesischen Ringen, dem ShuaiJiao. Aus diesem Grund ist der Cheng Stil weitaus runder und spiralförmiger als manch andere Baguazhang Stile. und "antwortet" fast immer mit einem Wurf oder Strukturbrüchen des Gegners

Nei gong system

 Das Nei Gong bildet die innere Grundlage der Praxis. Es umfasst stille und bewegte Übungen zur Schulung von Struktur, Atmung und innerer Wahrnehmung. Ziel ist es, den Körper von innen heraus zu organisieren, Spannungen zu lösen und eine tragende Verbindung zwischen Zentrum und Extremitäten aufzubauen. Das im Nei Gong entwickelte Körpergefühl fließt unmittelbar in das Kreisgehen und die Formen ein und vertieft deren Wirkung.